Weitere Beiträge:
6. Juli 2026
Fachleute aus der Metropolregion Nürnberg besuchten Adelsdorfer Energiezentrale
Wie gelingt der Ausstieg aus Öl und Gas? Und wie können Kommunen ihre Wärmeversorgung selbst gestalten? Antworten auf diese Fragen suchten kürzlich rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Exkursion der EnergieRegion Nürnberg e.V., des Projekts Klimapakt2030plus und der Metropolregion Nürnberg in Adelsdorf. Unter dem Leitthema „Transformation der Energieversorgung“ informierten sich Vertreter aus Kommunen, Energieversorgung und Verwaltung über erfolgreiche Praxisbeispiele. Das Adelsdorfer Nahwärmenetz war dabei als Vorreiterprojekt ausgewählt worden.
Zu den Gästen zählten unter anderem Vertreter der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK Bayern), der Gemeinden Hemhofen und Altdorf bei Nürnberg sowie der Stadt Neustadt an der Aisch. Gemeindewerke-Vorstand Wolfgang Mößlein, Technischer Betriebsleiter Johannes Herold und Zweiter Bürgermeister Ralf Olmesdahl führten die Gruppe durch die neue Energiezentrale III in der Höchstadter Straße. Vorgestellt wurde das Zusammenspiel von Holzvergasern auf Pelletbasis, Blockheizkraftwerken und dem 100.000-Liter-Wärmespeicher, mit dem klimafreundlich Wärme und Strom aus regionalen Rohstoffen erzeugt werden.
Im Mittelpunkt stand jedoch nicht nur die Technik, sondern auch die Frage, wie Kommunen die Wärmewende erfolgreich umsetzen können. „Die Energiewende ist eine riesengroße Aufgabe für alle Kommunen. Aber die bessere Alternative ist, beherzt loszulaufen und Lösungen zu entwickeln, statt abzuwarten“, betonte Ralf Olmesdahl. „Der Klimawandel wartet nicht auf uns. Deshalb haben wir in Adelsdorf schon früh angefangen, unsere Wärmeversorgung neu zu denken und Schritt für Schritt umzusetzen.“
Klein angefangen, Schritt für Schritt weitergebaut
Der Grundstein wurde bereits 2007 mit einem Nahwärmenetz für öffentliche Gebäude wie Rathaus und Schloss gelegt. Später kamen Schule und Mehrzweckhalle hinzu. Mit der Gründung der Gemeindewerke Adelsdorf als Kommunalunternehmen im Jahr 2022 und mitten in der Energiekrise begann der systematische Anschluss privater Haushalte.
Heute wächst das Netz kontinuierlich weiter. Neben allen kommunalen Gebäuden sind inzwischen mehr als 200 private Gebäude angeschlossen. Wo Straßen sowie Wasser- und Abwasserleitungen erneuert werden, verlegen die Gemeindewerke zugleich Glasfaser- und Nahwärmeleitungen. Bürgerinnen und Bürger können dabei zwischen verschiedenen Anschlussvarianten wählen.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre stieß bei den Gästen auf großes Interesse. Besonders beeindruckte viele Besucher, wie konsequent Adelsdorf seine Wärmeversorgung ausbaut und die kommunale Wärmeplanung frühzeitig abgeschlossen hat.
„Mit unserem Nahwärmenetz ersetzen wir Jahr für Jahr zahlreiche alte Öl- und Gasheizungen. Das spart CO₂, macht unabhängiger von krisenanfälligen Energieimporten und sorgt dafür, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt“, erklärte Wolfgang Mößlein. „Wir nutzen erneuerbare Energien aus der Heimat und schaffen damit eine Versorgung, die nachhaltig, regional und langfristig planbar ist.“
Für die Bürgerinnen und Bürger bietet Nahwärme zahlreiche Vorteile: Die Wärme wird vollständig aus erneuerbaren Energien erzeugt, die Technik benötigt wenig Platz und Wartung. Brennstofflager, Schornsteinfegerkosten, Tankreinigung und Brennstoffbeschaffung entfallen. Gleichzeitig müssen Hausbesitzer keine Rücklagen für einen späteren Heizungstausch einplanen und profitieren von einer langfristigen, zukunftssicheren Lösung.
Weitere Energiezentrale in Planung
Mit der neuen Energiezentrale III wurde ein weiterer wichtiger Baustein für die klimaneutrale Wärmeversorgung in Betrieb genommen. Und der Ausbau geht weiter: Auf dem Schützengrundstück gegenüber der Firma Soldan soll in den kommenden Jahren der „Energiepark Adelsdorf“ entstehen, um zusätzliche Erzeugungskapazitäten für den wachsenden Wärmebedarf zu schaffen.
Nach dem Besuch in Adelsdorf setzte die Exkursionsgruppe ihre Reise nach Lonnerstadt fort. Beide Stationen zeigten eindrucksvoll, dass die Wärmewende in der Metropolregion Nürnberg bereits in der Umsetzung ist und dass mutige kommunale Entscheidungen konkrete Ergebnisse hervorbringen.






